Studienname: IntReAll 2020
Einsatz einer ergänzenden Immuntherapie bei Kindern und Jugendlichen mit rezidivierter akuter lymphoblastischer Leukämie
Kurzbeschreibung
Die Heilungschancen für Patient*innen mit einem Rückfall einer akuten lymphoblastischen Leukämie (ALL) haben sich in den letzten Jahren verbessert, jedoch ist die aktuelle Standardbehandlung oft mit starken Nebenwirkungen und Langzeitfolgen verbunden. Ziel der IntReALL 2020-Studie ist es, intensive Chemotherapien teilweise durch zielgerichtete, weniger toxische Immuntherapien zu ersetzen und, wenn möglich, auf eine Stammzelltransplantation zu verzichten. Teilnehmen können Kinder und Jugendliche, die einen Rückfall einer ALL erlitten haben und je nach Risikogruppe unterschiedliche, innovative Behandlungsstrategien erhalten.
Ablauf der Studie

Vorbedingungen

Diagnose:
Akute lymphoblastische Leukämie (ALL)

Therapielinie:
Rezidiv / primär refraktär

Alter: bis 17

Kriterien:

Zuordnung

teilweise randomsiert + Stratifizierung anhand von Markern

Durchführung

Blinatumomab

Induktionstherapie aus der vorherigen IntReALL 2010-Studie und in der Konsolidationschemotherapie wird ein Teil der Behandlung durch Blinatumomab ersetzt und die Patient*innen erhalten die Standard-Erhaltungstherapie

Beobachtung

Studienbeschreibung
Die akute lymphoblastische Leukämie (ALL) ist eine Krebserkrankung des blutbildenden Systems. Kommt die Krankheit nach einer ersten Behandlung zurück (Rezidiv), ist die Prognose in den letzten Jahren zwar besser geworden, die dafür notwendige Standardtherapie ist jedoch sehr intensiv. Sie besteht meist aus einer Kombination vieler Chemotherapeutika und oft einer allogenen hämatopoetischen Stammzelltransplantation (HSCT), bei der Blutstammzellen einer spendenden Person übertragen werden. Um die Belastung für die jungen Patient*innen zu verringern, untersucht die IntReALL 2020-Studie den Einsatz moderner Immuntherapien. Hierzu zählen unter anderem die Studienmedikamente Inotuzumab-Ozogamicin und Blinatumomab sowie eine individuelle CAR-T-Zell-Therapie. CAR-T-Zellen sind körpereigene Immunzellen, die den betroffenen Patient*innen entnommen und künstlich so verändert werden, dass sie die Krebszellen gezielt erkennen und zerstören, wenn sie wieder per Infusion den Patient*innen zurückgegeben werden. Inotuzumab-Ozogamicin ist ein Antikörper, der mit einem Chemotherapeutikum (Calicheamicin) gekoppelt ist (Antikörper-Wirkstoff-Konjugat) und gegen einen Oberflächenrezeptor (CD22) der Leukämiezellen gerichtet ist. Dadurch kann es zielgerichtet in betroffenen Zellen wirken. Das Medikament ist in Deutschland als Einzeltherapie bei erwachsenen Patient*innen mit rezidivierter oder refraktärer CD22‑positiver B‑Zell‑Vorläufer‑ALL zugelassen. Blinatumomab ist ein sogenannter bispezifischer Antikörper. Er verbindet bestimmte Immunzellen (T-Zellen) direkt mit den Leukämiezellen, sodass das körpereigene Immunsystem die Krebszellen gezielt angreifen und zerstören kann. Das Medikament ist für Patient*innen ab 1 Jahr mit Philadelphia‑Chromosom-negativer CD19‑positiver B‑Zell‑Vorläufer‑ALL zugelassen, wenn diese Erkrankung refraktär oder rezidiviert ist. Ziel der vorliegenden Studie ist es, die Wirksamkeit und Sicherheit von Inotuzumab-Ozogamicin und Blinatumomab als Bestandteile der Behandlungsstrategie bei Patient*innen mit rezidivierter ALL zu untersuchen. Die im Rahmen der Studie durchgeführten Behandlungen sind abhängig vom individuellen Risikoprofil der Patient*innen. Patient*innen ohne genetisches Risikoprofil und mit spätem Rezidiv (Standard-Risiko) werden zufällig (randomisiert) in zwei Behandlungsgruppen eingeteilt. Der Studienarm erhält eine Induktionstherapie mit Inotuzumab-Ozogamicin und der Kontrollarm die Induktionstherapie mit der Standard-Chemotherapie. Im Anschluss erhalten alle Patient*innen die Standard-Früh-Konsolidationstherapie mit Chemotherapie in Kombination mit einem Zyklus Blinatumomab. Danach werden die Patient*innen, die auf diese Therapie ansprechen, erneut zufällig in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe erhält die standardmäßige Konsolidations- und Erhaltungschemotherapie. Die andere Gruppe erhält vor und nach der Konsolidationstherapie eine erneute Behandlung mit Blinatumomab gefolgt von einer Erhaltungstherapie. Patient*innen, die initial nicht auf die Therapie mit Blinatumomab ansprechen, erhalten eine Behandlung mit gespendeten Stammzellen (allogene Stammzelltransplantation). Patient*innen mit frühem Rezidiv und / oder mit isoliertem Befall von Organen außerhalb des Knochenmarks und Notwendigkeit einer allogenen Stammzelltransplantation (Hoch-Risiko), werden für die Induktionstherapie in eine separate Studie der Firma Pfizer eingeschlossen und erhalten im Anschluss die Konsolidationschemotherapie und Blinatumomab, gefolgt von einer Stammzelltransplantation. Patient*innen mit einem Rezidiv und isoliertem Befall von Organen außerhalb des Knochenmarks erhalten die Induktionstherapie aus der vorherigen IntReALL 2010-Studie. In der Konsolidationstherapie wird ein Teil der Behandlung durch Blinatumomab ersetzt und die Patient*innen erhalten die Standard-Erhaltungstherapie. Patient*innen mit einem genetisch sehr hohen Hochrisikoprofil und einem sehr früh aufgetretenen Rezidiv (innerhalb von 18 Monaten nach der Erstdiagnose) erhalten eine Standard-Induktionstherapie, gefolgt von einer individuellen CAR-T-Zell-Therapie, die im Rahmen einer separaten Studie der Firma Miltenyi durchgeführt wird. Kinder und Jugendliche mit einer rezidivierten ALL können an dieser Studie teilnehmen. Entsprechend der Standardtherapie bei rezidivierter ALL erfolgen wöchentliche Vorstellungen in den Behandlungszentren. Durch die Teilnahme an der Studie müssen die Patient*innen nicht zwingend hospitalisiert werden oder sich häufiger ärztlich vorstellen. Fakten: 1. Welche Erkrankung: akute lymphoblastische Leukämie (ALL) 2. Krebs-Merkmale: rezidiviert (erneuter Krankheitsnachweis nach Erstbehandlung) 3. Was untersucht die Studie: Integration von Immuntherapien in den Behandlungsplan als Alternative zur intensiven Chemotherapie 4. Ziel der Studie: Verbesserung des krankheitsfreien Überlebens bei verringerten Therapienebenwirkungen 5. Wie lange dauert die Studie: Behandlungsdauer bis zu ca. 30 Monate 6. Studienmerkmale: mehrere Behandlungsarme je nach Risikogruppe, teilweise randomisiert
Durchführende Einrichtungen
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
Studienzentrum | Kinder- und Jugendonkologie
in Vorbereitung
Geschlecht:
alle
Altersgruppe:
bis 17 Jahre
Therapielinie:
Rezidiv/Refraktär
Art der Studie:
Interventionell