Männer mit Prostatakrebs, der ein hohes Risiko für einen Rückfall oder eine Ausbreitung hat, benötigen oft intensive Behandlungen, um Metastasen zu verhindern. Bei Nachweis von bestimmten Gen-Mutationen könnte eine gezieltere Behandlung, zum Beispiel mit dem noch nicht zugelassenen Studienmedikament Saruparib, dabei helfen, die Krankheit besser zu kontrollieren. Ziel der EvoPAR-PR02-Studie ist es zu untersuchen, ob die zusätzliche Gabe des Medikaments Saruparib (AZD5305) zur Standardbehandlung (Bestrahlung und Antihormontherapie) das Auftreten von Metastasen wirksamer verzögern kann als die Standardbehandlung allein. An der Studie können Männer ab 18 Jahren teilnehmen, die an lokalisiertem oder lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs vom Hochrisiko-Typ erkrankt sind und eine BRCA-Mutation tragen.
Vorbedingungen
Diagnose:
Prostatakrebs
Therapielinie:
Alter: ab 18
Kriterien:
lokalisiertes/lokal fortgeschrittenes Hochrisiko-Prostatakarzinom; oder bichemisches Rezidiv; keine Metastasen; BRCA1- oder BRCA2-Gen-Mutation; Zustand nach Bestrahlung
Zuordnung
Randomisierung
1:1
Durchführung
Beobachtung
132 Monate
Prostatakrebs (Prostatakarzinom) ist eine der häufigsten Krebserkrankungen bei Männern. Bei vielen Patienten ist der Krebs auf die Prostata begrenzt oder hat sich nur in das umliegende Gewebe ausgebreitet (lokal fortgeschritten). Wenn der Krebs jedoch bestimmte Eigenschaften aufweist, wie z. B. einen hohen Prostata-spezifischen-Antigen-Wert (PSA) oder aggressives Zellwachstum, besteht ein hohes Risiko, dass er zurückkehrt oder sich auf andere Organe im Körper ausbreitet (metastasiert). Eine Besonderheit bei manchen Patienten ist eine Mutation in den BRCA-Genen (BRCA1 oder BRCA2). Diese Gene sind normalerweise für die Reparatur von DNA-Schäden zuständig. Sind sie defekt, können sich Krebszellen schneller vermehren, sind aber auch anfälliger für bestimmte Medikamente, die genau diesen Reparaturdefekt ausnutzen.
Die Standardbehandlung für Hochrisiko-Prostatakrebs umfasst oft eine Strahlentherapie (Radiotherapie) kombiniert mit einer Androgenentzugstherapie (Antihormontherapie), die das männliche Geschlechtshormon Testosteron senkt und so dem Krebs den Wachstumsreiz entzieht. Das Studienmedikament Saruparib (AZD5305) ist ein sogenannter Poly-ADP-Ribose-Polymerase-Inhibitor (PARP-Inhibitor) und bisher in Deutschland noch nicht zur Behandlung von Prostatakrebs zugelassen. PARP-Inhibitoren blockieren ein Enzym, das ebenfalls an der DNA-Reparatur beteiligt ist. Bei Tumoren mit BRCA-Mutation führt die gleichzeitige Blockade des PARP-Enzyms und der Ausfall der BRCA-Gene dazu, dass die Krebszellen ihre DNA-Schäden nicht mehr reparieren können und absterben. Ziel der vorliegenden Phase-3-Studie ist es, herauszufinden, ob Saruparib in Kombination mit der Standardbehandlung (Bestrahlung und Antihormontherapie) wirksamer ist als die Standardbehandlung allein. Die Patienten werden innerhalb von zwei Kohorten zufällig (randomisiert) in zwei Gruppen eingeteilt. Kohorte A umfasst Patienten mit neu diagnostiziertem Hochrisiko-Prostatakrebs oder einem Rückfall nach Operation (biochemisches Rezidiv), die Bestrahlung und Hormontherapie erhalten. Sie bekommen zusätzlich entweder Saruparib oder ein Placebo. Kohorte B umfasst Patienten mit neu diagnostiziertem sehr hohem Risiko (lokal fortgeschritten), die Bestrahlung, Hormontherapie und zusätzlich das Medikament Abirateron erhalten. Sie bekommen ebenfalls zusätzlich entweder Saruparib oder ein Placebo.Die Studie ist „vierfach verblindet“, das heißt, weder die Patienten noch die Ärzt*innen, Untersucher*innen und Auswerter*innen wissen, wer das echte Medikament erhält. Dies soll sicherstellen, dass die Ergebnisse objektiv sind. Der primäre Endpunkt der Studie ist das metastasenfreie Überleben nach bis zu 93 Monaten, also die Zeitspanne, in der der Patient lebt, ohne dass sich Metastasen bilden.
Teilnehmen können Männer ab 18 Jahren mit nachgewiesenem Prostatakrebs, der als Hochrisiko oder sehr hohes Risiko eingestuft wird oder bei dem nach einer Operation der PSA-Wert wieder ansteigt (biochemisches Rezidiv). Eine bestätigte BRCA1- oder BRCA2-Mutation im Tumorgewebe ist Voraussetzung. Zudem müssen die Patienten eine geplante Bestrahlung abgeschlossen haben und dürfen keine Fernmetastasen aufweisen.
Fakten:
- Welche Erkrankung: Prostatakrebs (Prostatakarzinom)
- Krebs-Merkmale: lokalisiert oder lokal fortgeschritten, Hochrisiko-Typ, BRCA1- oder BRCA2-Mutation, keine Fernmetastasen (M0), Zustand nach Bestrahlung
- Was untersucht die Studie: Wirksamkeit des Studienmedikaments Saruparib (PARP-Inhibitor) zusätzlich zur Standardtherapie (Bestrahlung + Antihormontherapie +/- Abirateron)
- Ziel der Studie: Verlängerung der Zeit bis zum Auftreten von Metastasen (metastasenfreies Überleben)
- Wie lange dauert die Studie: Behandlung und Nachbeobachtung für bis zu 11 Jahre (Gesamtdauer bis ca. 2036)
- Studienmerkmale: Phase-3-Studie
