Das Glioblastom ist ein bösartiger Hirntumor, der im Bereich des Schläfenlappens auftreten kann und in der Regel operativ entfernt wird, gefolgt von einer Bestrahlung in Kombination mit dem Medikament Temozolomid (Radiochemotherapie). Ziel der ATLAS/NOA-29-Studie ist es, zwei unterschiedliche Operationsverfahren miteinander zu vergleichen und herauszufinden, ob eine erweiterte Entfernung von Hirngewebe im Schläfenlappen (anteriore Temporallappenresektion) gegenüber der alleinigen vollständigen Tumorentfernung (Gross-Total-Resektion) zu einem längeren Überleben und einer besseren Lebensqualität führt. Frauen und Männer zwischen 18 und 75 Jahren mit einem neu diagnostizierten Glioblastom im Schläfenlappen können an dieser Studie teilnehmen.
Vorbedingungen
Diagnose:
Glioblastom (2A00.00)
Therapielinie:
Erstlinie / bisher keine Therapie
Alter: 18 bis 75
Kriterien:
im Schläfenlappen lokalisiert; vollständig operativ entfernbar; WHO-Grad 4
Zuordnung
Randomisierung
1:1
Durchführung
Beobachtung
36 Monate
Ein Glioblastom ist der häufigste und aggressivste bösartige Hirntumor bei Erwachsenen (WHO-Grad 4). Die Tumorzellen wachsen schnell und breiten sich in das umliegende Hirngewebe aus. Dadurch ist es schwierig, den Tumor vollständig zu entfernen. Liegt der Tumor im Schläfenlappen (Temporallappen), stehen zwei Operationsverfahren zur Verfügung. Bei der Gross-Total-Resektion (GTR) entfernen die Chirurg*innen den in der Magnetresonanztomographie (MRT) sichtbaren Tumor vollständig. Dabei handelt es sich um den Tumoranteil, der im MRT nach Gabe eines Kontrastmittels sichtbar wird. Bei der anterioren Temporallappenresektion (ATL) entfernen die Chirurg*innen zusätzlich zum Tumor auch umliegendes Gewebe des Schläfenlappens. Dieses Verfahren kommt bereits seit vielen Jahren in der Epilepsiechirurgie zum Einsatz und gilt dort als etabliert.
Ziel der vorliegenden Phase-3-Studie ist es zu untersuchen, ob die erweiterte Operation (ATL) im Vergleich zur Standardoperation (GTR) zu einem besseren Behandlungsergebnis führt. Die Patient*innen werden nach dem Zufallsprinzip (randomisiert) einem der beiden Operationsverfahren zugeteilt. Die Studie ist offen (nicht verblindet), da die Art der Operation später in der Bildgebung erkennbar ist. Nach der Operation erhalten alle Patient*innen eine Nachbehandlung gemäß den aktuellen Leitlinien. In der Regel umfasst diese eine Bestrahlung zusammen mit dem Medikament Temozolomid. Bei älteren Patient*innen oder bei bestimmten Tumormerkmalen (wie einer MGMT-Promotor-Methylierung) kommen andere Behandlungsschemata zum Einsatz. Dazu gehören beispielsweise eine verkürzte Bestrahlung oder eine Kombination aus Bestrahlung und den Medikamenten Lomustin (CCNU) und Temozolomid. Das Hauptziel (der primäre Endpunkt) der Studie ist die Untersuchung des Gesamtüberlebens. Gleichzeitig wird die Lebensqualität der Patient*innen erfasst. Die Teilnahme dauert je nach individuellem Verlauf zwischen 36 und 72 Monaten.
Teilnehmen können Frauen und Männer zwischen 18 und 75 Jahren mit einem neudiagnostizierten Glioblastom im Schläfenlappen. Der Tumor muss vollständig operativ entfernbar sein. Die Patient*innen müssen sich in einem ausreichend guten Allgemeinzustand befinden. Zuvor darf keine Chemotherapie oder Bestrahlung des Gehirns stattgefunden haben.
Fakten:
- Welche Erkrankung: Glioblastom
- Krebs-Merkmale: neudiagnostiziert, WHO-Grad 4, im Schläfenlappen (temporal) lokalisiert, vollständig operativ entfernbar
- Was untersucht die Studie: Vergleich zweier Operationsverfahren: erweiterte Entfernung des Schläfenlappens (anteriore Temporallappenresektion, ATL) gegenüber alleiniger vollständiger Tumorentfernung (Gross-Total-Resektion, GTR)
- Ziel der Studie: Untersuchung, ob die erweiterte Operation (ATL) im Vergleich zur Standardoperation (GTR) zu einem längeren Gesamtüberleben bei gleichbleibender oder besserer Lebensqualität führt
- Wie lange dauert die Studie: die individuelle Teilnahmedauer beträgt zwischen 36 und 72 Monaten
- Studienmerkmale: Phase-3-Studie, randomisiert, nicht verblindet (offen), zwei Behandlungsarme
